Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 18.10.2007, 09:37   #27 (Link)
Tyrena
Level 26
 
Fraktion: Allianz
 
Aktivität: 0%
Beiträge: 348

Standard

Das ist richtig schön, so viele positive Reaktionen zu lesen! Vielen Dank für eure lieben Worte und Kommentare! Hab mich diesmal auch wieder ein wenig beeilt und darf ich somit den nächsten Teil der Geschichte präsentieren. Ich hoffe er gefällt euch. Über Kommentare freu ich mich natürlich immer!



Ein paar Tage waren nun seit Morpheus’ Besuch beim Priester in Dunkelhain vergangen. Er hatte sich ein wenig erholt und dank der guten Versorgung des Heilers regenerierte sich sein Arm erstaunlich schnell. Tyrena hatte sich währenddessen, wie befohlen, beim Bürgermeister von Dunkelhain zum Dienst gemeldet. Sie hatte einen Spionageauftrag erhalten, der um Sven’s Farm handelte. Als Schurkin, die das Schleichen versteht, konnte sie schon bald die ersten Erfolge verzeichnen und hatte ihren Auftrag bald abgeschlossen. Nun kam der Tag, an dem sich Tyrena’s und Morpheus’ Wege trennen sollten, denn einen unruhigen Zwerg kann man nicht lange an ein Bett fesseln.

„So endet wohl unsere gemeinsame Reise, werter Morpheus“, beginnt Tyrena mit wehmütiger Stimme, „Nur zu gerne würde ich euch weiter begleiten, doch darf ich meine Auftraggeber nicht enttäuschen! Wir müssen alle unseren Dienst in der Allianz leisten. Ich hoffe nur zu sehr, dass sich unsere Wege eines Tages wieder kreuzen und unsere gemeinsame Reise dann länger sein wird!“ „Aber was redet ihr da für albernes Zeug?“, Morpheus muss grinsen, während Tyrena ein verwirrt, trauriges Gesicht macht. „Welches Vöglein hat euch denn gezwitschert, dass ich meine Sachen gepackt habe, um euch zu verlassen? Ich bin derzeit im Auftrag meiner Selbst unterwegs, um meine Fertigkeiten im Schmieden zu verbessern. Wenn ich das noch ein wenig warten lasse, wird das niemanden stören!“ Mit jedem ausgesprochenen Wort hat sich Tyrena’s Gesicht ein wenig erhellt. Als Morpheus seinen Satz vollendet hat, springt sie ihn fast voller Euphorie um und umarmt ihn, was er ihr dann gleich tut.

Tyrena hat das Gefühl, als würde diese Umarmung eine Ewigkeit dauern. Wie sehr hatte sie sich gewünscht, dass Morpheus sie weiterhin begleiten würde! Doch wirklich damit gerechnet hatte sie nicht. Auch Morpheus ist voller Freude. Als hätte er eine so süße Zwergin einfach wieder von seiner Seite gelassen. Dennoch war er sich über ihre Reaktion nicht ganz sicher, bis er ihren wehmütigen Ton bei ihrer Abschiedsansprache vernommen hatte. Als beide ihre Umarmung lösen, schauen sie sich eine Zeit lang tief in die Augen. Wieder ist es Morpheus, der diese schöne Situation als Erster unterbricht: „Ich darf also davon ausgehen, dass ihr nichts gegen meine Begleitung hättet, obwohl ich euch das Schleichen und lautlose Herumpirschen etwas schwerer machen werde?“ Er zeigt ein Lächeln und auch Tyrena beginnt nun zu grinsen: „Ich denke, dass ist ein Umstand, an welchen ich mich gewöhnen könnte.“

„Nun gut, so verratet mir, was euer oder besser gesagt, unser nächster Auftrag sein wird!“, widmet sich Morpheus wieder den sachlichen Themen. Tyrena will ihm gerade eine genau so nüchterne Antwort geben, als ihr plötzlich die Erinnerung an das kleine Dolchstück kommt: „Mein nächster Auftrag besteht darin herauszufinden, wieso ihr mich nicht gleich über eure Verletzung am Arm informiert habt, gerade wenn sie vom Dolch eines Schurken stammt!“ Morpheus verzieht leicht seufzend das Gesicht: „Was hätte es geändert, wenn ich euch darüber unterrichtet hätte? Womöglich hättet ihr noch den Eindruck bekommen, dass ich ein grundlegendes Unbehagen gegen Euresgleichen hätte und das wollte ich auf jeden Fall vermeiden.“ Für einen Moment herrscht Stille. Mit solch einer Antwort hatte Tyrena nicht gerechnet. „Ich wollte die anfängliche Sympathie nicht gleich zu Nichte machen.“, setzt Morpheus noch einmal nach und schaut Tyrena dabei in die Augen. Wieder muss der aufgekommene Ärger einem fast freudigen Gefühl weichen. „Ihr seid wirklich unverbesserlich!“, ist alles, was Tyrena dazu noch sagen kann.

Nach einem kurzen Austausch über ihren weiteren Auftrag, machen sich Tyrena und Morpheus nun auf den Weg nach Rabenhold. Der darüber liegende Friedhof soll vom dortigen, untoten Gesindel befreit werden. Was könnte da besser sein, als einen solch starken Krieger an seiner Seite zu haben? Sie haben Dunkelhain gerade verlassen, als Tyrena Morpheus zu mustern beginnt. „Ich glaube ich schulde euch noch etwas.“, startet sie das Gespräch. Etwas verwirrt schaut Morpheus zu ihr: „Was sollt ihr mir denn schulden?“ „Nun, ich habe ja irgendwie zu verantworten, dass der Schmied eure Rüstung abgeholt und bearbeitet hat. Und ich war es auch, die keine Verhandlungen bezüglich des Preises mehr zugelassen hat. Ich sollte wohl…“ Schnell unterbricht Morpheus ihren Gedanken: „Ihr schuldet mir nichts werte Tyrena und erst recht kein Gold für meine Rüstung. Ich gehe davon aus, dass ich doch ein paar mehr Münzen in meinem Beutel mit mir trage, als es bei euch der Fall sein wird. Doch abgesehen davon hat der Schmied mir auch einen erstaunlich guten Preis gemacht! Doch wollen wir nicht über Gold reden…“, versucht er das Thema abzuschließen.

Mit etwas unbefangeneren Themen vertreiben sich die beiden nun die Zeit, während sie immer weiter auf der Straße in Richtung Rabenhold unterwegs sind. Außer ein paar räudigen Wölfen stellt sich Tyrena und Morpheus auch niemand in den Weg. Nach einem längeren Fußmarsch erreichen die beiden den verkommenen Ort. Nur noch vermoderte Ruinen sind von dem ehemals schönen Dorf übrig geblieben. Die meisten Häuser sind bereits in sich zusammengebrochen. Das Holz ist morsch und verfault und ein beißender Geruch liegt in der Luft. „Rabenhold scheint schon sehr lange ein verlassener Ort zu sein.“, kommentiert Morpheus seinen ersten Eindruck. „Ja, der Bürgermeister von Dunkelhain hat mir berichtet, dass hier schon vor langer Zeit untote Geister ihr Unwesen getrieben haben müssen und die ganzen Bewohner zur Flucht veranlasst haben, wenn sie es denn lebend geschafft haben. Lange traute sich niemand mehr in diese Gegend. Zu viele Geschichten und Legenden wurden um diesen Ort und den nahen Friedhof erzählt. Doch seit die Untoten sich weiter ausbreiten und den Friedhof verlassen, sieht sich Dunkelhain dazu gezwungen etwas zu unternehmen. Und genau aus diesem Grund sind wir hier.“, erklärt Tyrena die vergangenen Geschehnisse.

„Wir sollten diesen Ort erst ein wenig untersuchen, bevor wir uns zum Friedhof begeben.“, schlägt Morpheus vor, „Vielleicht finden wir schon hier ein paar nützliche Hinweise über dieses untote Gesindel!“ Tyrena nickt Morpheus zu, doch dieser hat sich bereits umgewendet und läuft auf die Überreste eines Hauses zu. Auch Tyrena wendet sich nun einem in Trümmern liegenden Haus zu und untersucht dieses sorgfältig. Einige Minuten wühlen sich beide durch vermoderte Holzstücke, zerbrochene Steine und fast nicht mehr erkennbare Einrichtungen, bis Tyrena plötzlich die Stimme von Morpheus vernimmt: „Tyrena! Ich glaube ich habe eine Entdeckung gemacht!“ „Wo seid ihr denn Morpheus?“, ist Tyrena’s Antwort, die suchend durch die morschen Ruinen blickt. Als sie das Aufblitzen einer feurigen Axt sieht, eilt sie sofort los. Morpheus steht in einem verhältnismäßig gut erhaltenen Haus im Eingangsbereich, als Tyrena eintrifft. „Wenn ihr mir bitte folgen würdet?“, er lächelt sie freundlich an und läuft dann in den hinteren Bereich des Hauses. Tyrena folgt ihm und entdeckt sofort sein Ziel. In einer Ecke, halb unter einem alten Holzbalken begraben steht eine große Eisentruhe. Im Gegensatz zum Rest des Hauses ist diese noch in einem sehr guten Zustand und scheint an einem Stellen sogar noch zu glänzen.

„Räumen wir zunächst einmal diesen Balken aus dem Weg!“, meint Morpheus, während er selbigen schon umfasst und mit aller Kraft zur Seite hievt. Tyrena will sofort mit anpacken, doch da hat der kleine Zwerg den Balken schon zur Seite geräumt. Mit hochgezogener Augenbraue schüttelt sie den Kopf, während Morpheus sie nur hämisch angrinst: „Eure Fertigkeiten sind erst jetzt gefragt werte Tyrena!“ Er deutet auf das große Schloss an der Truhe: „Ihr hättet doch sicher die Güte, unseren Fund von diesem Schloss zu befreien.“ Sofort greift Tyrena in eine ihrer Taschen und holt einen Dietrich hervor. Sie kniet sich vor der Kiste nieder und macht sich vorsichtig ans Werk. Mit viel Geduld und Feingefühl versucht sie das Schloss zu öffnen, was ihr nach kurzer Zeit auch gelingt. Gespannt schaut Morpheus auf die Truhe, als Tyrena deren Deckel nach hinten schlägt. Ein modrig, beißender Geruch steigt aus der Kiste auf, der beide kurz zurückschrecken lässt. „Die wurde wohl schon länger nicht mehr geöffnet.“, kommentiert Tyrena die Situation und hustet kurz. Nun betrachten sich beide den Inhalt der Truhe. Als erstes fällt Tyrena ein kleiner Beutel ins Auge, den sie vorsichtig öffnet. Es kommen ein paar vertrocknete Kräuter zum Vorschein. Morpheus hat derzeit eine kleine Flasche aus der Kiste geholt, die mit einer bräunlich, zähen Substanz gefüllt ist. „Ich gehe davon aus, dass eure Tränke etwas anders aussehen, wenn ihr sie herstellt, werte Alchemistin!“, er lächelt Tyrena kurz an und verstaut den Trank wieder in der Kiste. „Davon könnt ihr ausgehen Morpheus! Ich habe schon viele Gebräue gesehen und hergestellt, es gibt wahrlich die unglaublichsten und schimmerndsten Farben, aber wenn etwas Bräunliches herauskommt, kann man sicher sein, dass man etwas falsch gemacht hat oder die Zutaten nicht mehr die frischesten waren.“, antwortet sie ebenfalls schmunzelnd.

„Na was haben wir denn da?“, meint plötzlich Morpheus, dem ein eingebundenes Buch aufgefallen ist. Langsam holt er es aus der Truhe und wischt den Staub vom Einband. „Das Tagebuch von Marie Lorane“, liest er vor. Er will das Buch gerade öffnen, als hinter ihm ein lautes, helles Seufzen zu hören ist. Sofort lässt er das Buch fallen, greift nach seiner Axt und wendet sich schlagartig um. Auch Tyrena hat sofort ihre Dolche gezogen und ist vor der Kiste aufgesprungen. Langsam formt sich vor den Augen von Morpheus und Tyrena eine geisterhafte Gestalt. Immer deutlicher werden die bläulich schimmernden Konturen, bis man letztendlich die Umrisse einer menschlichen Frau erkennen kann.

Wieder ist das laute, helle Seufzen zu hören. Morpheus will bereits zu seinem ersten Schlag ausholen, als der Geist plötzlich mit ruhiger Stimme anfängt zu sprechen: „Endlich wurde es gefunden! Die Zeit der Unruhe ist vorbei! Es wurde endlich gefunden!“ Etwas irritiert hält Morpheus in seinem Schlag inne, während Tyrena versucht mit dem Geist zu reden: „Was wurde gefunden? Ist dies euer Tagebuch? Seid ihr Marie Lorane?“ Sie meint ein Nicken des Geistes zu erkennen: „Ja, dies war einst mein Name. Doch was bedeuten nun noch Namen, wenn keiner mehr da ist, der sie sprechen kann? Aber jetzt wird sich alles wenden! Denn ihr habt es gefunden!“ „Was soll sich denn durch euer Tagebuch wenden?“, wirft jetzt Morpheus ein, der seine Axt wieder ein wenig gesenkt hat. Langsam wandert der Blick des Geistes zu Morpheus: „Das Buch wird euch helfen! Es kennt die Wahrheit über die Untoten! Ich habe mich nicht an die Regeln gehalten! Ich musste her kommen und Nachforschungen anstellen! Ich hatte Erfolg! Doch sie haben mich gefunden!“ Langsam werden die Umrisse des Geistes schwacher: „Ich habe nicht mehr viel Zeit! Ich kann jetzt gehen! Meine Seele darf endlich ruhen! Lest es! Leeeessssttt daaaassss Buuucccchhhhh!“ Die letzten Worte hallen ein wenig nach, als der Geist sich plötzlich komplett in Luft auflöst.

Etwas ungläubig schauen sich Morpheus und Tyrena nun an, bevor beide ihre Waffen wieder wegstecken. Morpheus räuspert sich kurz: „Nun, dann wollen wir doch einmal nachschauen, was dieser Geist uns hinterlassen hat. Denn aus seinen Worten bin ich nicht wirklich schlau geworden.“ Tyrena muss schmunzeln, auch für sie sprach der Geist in Rätseln. Beide wenden sich wieder um und Morpheus greift dem Buch, welches auf dem Boden liegt. Als er es fallen ließ, muss es sich geöffnet haben. Er beginnt auf der aufgeschlagenen Seite zu lesen: „Der Tag war gekommen, an dem mein wohl größtes Abenteuer beginnen sollte. Alle hatten sie mich gewarnt. Doch meine Neugierde konnte nur so befriedigt werden. Ich packte also meine Sachen und begab mich nach Rabenhold….“
Tyrena ist offline