Thema: [Story] Feuer
Diskutiere im Der Dorfkrug Forum über [Story] Feuer. Hallo meine lieben Mit-RPGler, sehr gerne möchte ich hier einige meiner wieder entdeckten Geschichten von vor einigen Jahren mit euch teilen, und mit dieser hier anfangen. Es geht um eine junge Magierin mit dem Namen Gwen, die erst nach einem schweren Schicksalsschlag ihr Talent für ...
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Alt 14.08.2015, 01:55   #1
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[Story] Feuer

Hallo meine lieben Mit-RPGler,

sehr gerne möchte ich hier einige meiner wieder entdeckten Geschichten von vor einigen Jahren mit euch teilen, und mit dieser hier anfangen.
Es geht um eine junge Magierin mit dem Namen Gwen, die erst nach einem schweren Schicksalsschlag ihr Talent für Arkanes entdeckt und sich auf die Reise begibt um Rache zu suchen.
Ich möchte natürlich nicht zu viel verraten, aber grob gesagt beschreibe ich einen Charakterwerdegangs in seiner Klasse, mit einer hoffentlich für euch interessanten Geschichte drumherum. Am Anfang gibt es einige Zeithüpfer, denen aber eigentlich gut zu folgen sein sollte.

Ich würde mich natürlich sehr freuen wenn sie euch gefällt, hoffe aber auf jegliche Art von Feedback!

Jetzt viel Spaß beim Epilog, liebe Grüße!






Epilog


Die glühend heißen Flammen leckten noch immer gierig über die spärlichen Überreste des ehemals hübschen Hauses, welches etwas außerhalb einer kleinen Siedlung im Süden Elwynns stand. Überall türmten sich rot glimmende Trümmer und der Gestank von verbranntem Holz lag in der beißend heißen Luft. Trotz dem hellen Feuer konnte die neugierige Gruppe von Dorfleuten die junge schreiende Frau kaum durch die dicken Staub- und Rauchschwaden ausmachen. Weinend und hustend hob Gwenaelle hier und da einen der Trümmerteiles ihres Hauses an, die Hitze und die Brandblasen an ihren Händen ignorierend. Immer wieder schrie sie die gleichen Namen durch die Nacht: „Damon! Jules! Liam!“. Immer und immer wieder. Keine Antwort. Tränen der Verzweiflung bahnten sich ihren Weg durch ihr rußverschmiertes Gesicht und hinterließen das Muster eines Netzes. „Damon!“ Das Netz der Trauer und Hoffnungslosigkeit, welches sie gefangen hielt. „Jules!“ Eine grausame Stille legte sich auf Gwens Ohren, die weder von dem lauten Knarren des sich ausdehnenden Holzes, noch von den Schreien der Umstehenden durchdrungen werden konnten. Eine allumfassende Stimme die sich in in ihrem Kopf ausbreitete und alles andere verdrängte. So lärmend still, dass sie nichts mehr hören konnte. So still, dass es schmerzte. „Liam!“ Keine Antworten. Niemand antworterte...




Graue, dicke Wolken verdunkelten den frühen Frühlingshimmel über Azeroth. Ein heftiger Landregen
überfiel die Gegend um Sturmwind in der ersten Märzwoche und schien die Straßen buchstäblich zu fluten. Kaum jemand, bis auf die Stadtpatrouille, die keine andere Wahl hatte, wagte sich mehr auf die Gassen der Hauptstadt. Eine einzige Gestalt, vermummt von einem dicken, smaragdgrünen Umhang mit tiefer Kapuze, kämpfte sich durch die dichte graue Regenmauer. Eine starke Windböe zerrte an ihr und ließ den zarten Stoff des Umhangs um die schmale Gestalt herum peitschen. Sie drohte das Gleichgewicht zu verlieren, wankte. Hektisch und im schnellen Laufschritt überquerte die Gestalt einige Brücken über die zu übertreten drohenden Kanäle, bis sie ins Magierviertel einbog. Lautes Rüstungsklappern und Geschrei drang durch die Wand von Regen und Sturm. Die Gestalt wirbelte herum und sah gehetzt umher, ehe sie ihr Tempo beschleunigte und fluchtartig in das nächstbeste Gebäude einkehrte, die Taverne „zum blauen Eremiten“.

Bibbernd stand sie in dem kalten Vorraum und schälte sie sich den durchweichten Mantel von ihren nicht viel trockeneren übrigen Kleidern ab, rollte ihn zusammen und stopfte ihn in die verbeulte, graue Umhängetasche, die ihr neben der schmalen Hüfte baumelte. Eine junge Frau kam zum Vorschein. Trotz ihres abgemagerten Körpers, welcher von einer dreckigen, zerlumpten Robe verhüllt wurde, und dem gehetzten Gesichtsausdruck konnte man sie durchaus als ansehnlich bezeichnen. Die dunklen, fast schwarzen Augen wurden von langen dichten Wimpern geziert und ein letzter kämpferischer Funke konkurrierte mit abgestumpfter Glanzlosigkeit. Starke, in Form gezupfte Augenbrauen verliehen dem Gesicht einen abweisenden, strengen Ausdruck und obgleich die Nase ein wenig zu lang war, machte es einen edlen, gar hochmütigen Eindruck. Lange, dunkle Haarwellen boten einen starken Kontrast zu der sehr bleichen Haut und schlängelten sich, so nass wie sie waren, wie schwarze Schlangen ihren Rücken herab.

Leicht gebückt schlich sich die junge Frau in den Schankraum und huschte in die erste Ecke vor der Theke, mit dem Rücken zu einer kleinen Zwischenwand, die Blicke vom Eingang aus fernhielt. Schnell warf sie einige Blicke durch die Schenke. Nur wenige Gäste, die meisten von ihnen junge Männer, die nur wenig bis keine Notiz von ihr nahmen. Der Großteil der Anwesenden schienen Studenten zu sein, eine Gruppe von drei Männern und zwei Mädchen alle augenscheinlich zwischen 17 und 20 Jahren alt, beugten sich über mehrere Bögen Pergament und große, schwere in Leder gebundene Bücher. Sie unterhielten sich angeregt. Nicht alle schienen ein vergleichbares Maß an Disziplin aufzuweisen. An einem Tisch weiter vorne im Raum saßen sechs Männer mit der scheinbar dreifachen Anzahl an Bierkrügen und vergnügten sich lautstark mit einem abgenutzten alten Schachspiel und einem Stapel vergilbter Karten; an der Theke saßen zwei recht jung aussehende Mädchen und ließen mit rudimentären Zauberstäben ihre leeren Weingläser durch die Luft schwirren. Nicht selten erntete der lärmende Männertisch entnervte Blicke von den eifrigen Studenten.

Sich ein wenig entspannend betrachtete die junge Frau von ihrer Ecke aus die Räumlichkeit eingehend.
Der Hauptraum der Taverne war zum größten Teil aus Buchenholz gefertigt und recht schlicht gehalten. Zwei Treppen jeweils links und rechts im Raum führten hoch zu einer Galerie, in der sich ebenfalls noch einige Tische befanden und von wo aus man nach unten in den Schankraum schauen konnte. Farbliche Akzente setzten lediglich die beiden rotbraunen Teppiche und die diversen bunten Flaschen und Gläser hinter dem Tresen. Hinter diesem Tresen trippelte plötzlich ein gedrungener, dicklicher, älterer Mann hervor, mit einem gigantischem, weißen Schnurrbart und einem noch imposanterem Bauch. Er wollte sich ihr gerade mit einem breiten Grinsen in seinem freundlichen, faltigen Gesicht zuwenden, als plötzlich Krawall im Vorraum seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Mehrere Wachen Sturmwinds Armee drängten sich in den Schankraum. Sogleich bildete sich eine kleine Pfütze auf den Holzdielen unter ihren schweren Plattenrüstungen. „Heda ihr! Wir sind auf der Suche nach einem flüchtigen Aufrührer der einen Aufstand vor'm Rathaus verursacht hat und zuletzt im Magierviertel gesehen wurde! Habt ihr jemand auffälligen bemerkt?“ Der Wirt stemmte die Hände in die etwas feisten Hüften und sah sich im Schankraum um. Die Frau kauerte sich in die Ecke, die vollen, bleichen Lippen aufeinander gepresst und nach vorne gebeugt, so dass das nasse dunkle Haar Blicke auf ihr Gesicht fernhielt. Die hellen Augen des Wirtes blieben für einige Sekunden an ihr hängen, ehe er sich wieder den Wachen zuwendete und bestimmt den Kopf schüttelte. „Nein, natürlich nicht. Oder sehe ich, Gustaf Penzner etwa so aus, als würde ich Halunken in meiner Taverne verstecken?! Vielleicht solltet ihr Euch mal im „geschlachtetem Lamm“ umsehen, aber sicher nicht im Eremiten. Und nun wäre ich euch sehr verbunden, würdet ihr Eure laute, ungehobelte Meute aus meinem Laden entfernen, ihr macht den ganzen Boden nass und ich möchte nicht, dass die Dielen auseinander gehen! Auf Wiedersehen.“ Beschämt zog die Patrouille ab, einige nicht bevor sie dem Alten einen giftigen Blick zugeworfen hatten. Scheinbar war der Wirt ein einflussreicher Mann, dass er Sturmwinds Armee in diesem Tonfall anfuhr.

Penzner blieb noch einige Augenblicke in mitten des Raumes wie eine Salzsäure erstarrt stehen, bis der Lautstärkepegel in der Taverne wieder auf normale Höhe gestiegen war und alle ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Bier oder den Büchern widmeten und wendete sich dann der mageren, zitternden Gestalt in der Ecke zu. „Willkommen im blauem Eremiten, die beste Taverne Sturmwinds, nicht nur für die rauchenden Köpfe der Magiestudenten!“ trompete er, ihre zuzwinkernd. „Was darf ich bringen?“ Zögernd sah die Dame auf und schüttelte wortlos den Kopf. „Nichts, danke.“ Der heitere Gesichtsausdruck wich den faltigen Gesichtszügen Penzner und die Miene verfinsterte sich, so dass er aussah wie ein wütender Tuskarr. Er beugte sich zu ihr herunter und knurrte kaum vernehmbar:
„Ich mache Euch ein Angebot, dass ihr gar nicht ablehnen könnt, wenn ihr nicht wollt, dass ich die Wachen zurückpfeife. Ein Drink Eurer Wahl gegen die Wahrheit wie wär's?“ Schockiert starrten ihn die großen, schwarzen Rehaugen an und ehe sie antworten konnte, war er bereits hinter den Tresen verschwunden. Ein weiteres Mal sah sie sich unauffällig im Schankraum um. Niemand schien ihre Konversation mitbekommen zu haben.

Geändert von Maytharien (14.08.2015 um 15:03 Uhr) Grund: Fehlerteufel >:]
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Alt 14.08.2015, 01:55  
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AW: [Story] Feuer

Hast du schon im Lösungsbuch nachgelesen? Eventuell hilft dir das ja weiter...
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Alt 14.08.2015, 20:14   #2
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AW: [Story] Feuer

Weiter geht's mit Kapitel 1, hier werdet ihr etwas mehr über den eigentlichen Plot erfahren :)
Ich hoffe es gefällt!

Kapitel 1)

Bevor Gwenaelle den ihr wohlbekannten Schankraum betrat, schüttelte sie noch einmal ihre Haare durch, die wie immer wenn sie nass waren, wie schwarze Schlangen bis auf ihren Rücken wanden. Ihre Mutter hatte sie früher wegen diesem Phänomen immer Schlangenmädchen genannt. Der blaue Eremit war heute gänzlich ohne Kundschaft im Gegensatz zu ihrem ersten Besuch hier, als die Gäste sich mit zunehmender Stunde vermehrten und an der Theke ein reges Gedränge herrschte. An diesen Tresen gelehnt, stand Gwen nun und wartete auf den Wirt Gustaf Penzner. Offenbar erwartete er aufgrund des Unwetters so wie der recht frühen Tageszeit sowieso keine Gäste und ließ sich Zeit. Nachdem fast fünf Minuten verstrichen waren, in denen Gwenaelle sich durch Räuspern und Hüsteln bemerkbar machen wollte, tauchte Penzner endlich in der Hintertüre auf. In den ersten paar Sekunden nahm er sie gar nicht wirklich war, doch dann bekam er plötzlich Augen so groß wie Teller und als er sie erkannte, zog sich sein breites, schiefes Lächeln über sein Gesicht. „Gwenaelle Connelly! Was für eine Freude...wie lange haben wir uns jetzt nicht mehr gesehen? Was treibt Euch immer gerade bei diesem Unwetter in die Stadt? Die Nostalgie, hah?“ Zur Unterstreichung seiner Worte heulte der Wind draußen laut zwischen den Dächern des Magierviertels auf. Es hatte tatsächlich etwas ironisches, eine ähnliche Schlechtwetterfront wie am Tage ihrer ersten Begegnung hielt sich beharrlich über dem Land Elwynn und sorgte so für einen etwas frustrierenden Aprilanfang. Etwas zaghaft lächelte Gwen zurück. „Ich glaube es waren bloß vier Wochen...“. „Verdammt lange! Jeden Tag habe ich mich gefragt was du machst! Du hättest wirklich mal etwas von dir hören lassen können.“, tadelte er sie gespielt erbost. Doch man sah ihm an, dass er sich viel zu sehr freute um ernsthaft wütend zu sein. „Was zum wirbelnden Nether hat dich dermaßen lange beschäftigt? Ich dachte immer, am Beginn der Ausbildung lernt man nur einen Zauber den man maximal an ein paar Keilern ausprobieren darf, bis er sitzt“, fügte er vergnügt hinzu. Etwas erschöpft seufzend ließ Gwenaelle sich auf den nächsten Holzstuhl sinken. „Mach uns beiden einen schönen heißen Grog und ich erzähle dir das Bisschen was es zu erzählen gibt, wie wär's?“, schlug sie vor und fuhr sich noch einmal durch die tropfenden Haare. Den Kopf in die Hände gestützt, starrte sie gedankenverloren auf die gegenüberliegende Holzwand, während Penzner murrend in der Küche verschwand. Der sonst wirklich freundliche ältere Mann mit dem großen, weißen Schnurrbart war ihr ein guter Freund, seit sie zum erste Mal das Magierviertel uns seine Taverne, „zum blauen Eremiten“ besucht hatte. Damals hatte sie in der hintersten Ecke am Tresen gesessen und sich Alkohol in geradezu mörderischen Mengen beigeführt. Es war Gustaf gewesen, der sie vor den Stadtwachen beschützt hatte, ohne sie überhaupt zu kennen. Es war er gewesen, der die von Alkohol bestärkten Gefühle ihre innere Mauer durchbrechen ließ, und sie in Form von Tränen und hastig heraussprudelten Wortfetzen aus ihr herauslockte. Die Geschichte die ihr so schwer auf dem Herzen lag, fand bei ihm den richtigen Empfänger, sprudelte er doch nur so vor weiser Zuversicht.
Und es war er gewesen, der bemerkt hatte dass sie kurz vorm Zusammenbrechen war und sie in eines seiner Betten brachte und sich zusammen mit seiner kleinen Familie die ganze Nacht bis in den nächsten Tag hinein um sie gekümmert hatte. An eben diesen Tag vor ungefähr einem Monat hatte Gwenaelle ihre erste „Audienz“ bei Erzmagier Malin.


Gustaf kam mit einem Tablett beladen und einem warmen Lächeln auf dem Gesicht zurück aus der Küche. „Irene hat einen leckeren Kürbiskuchen gebacken von dem du unbedingt ein Stück probieren musst!“, sagte er und reichte Gwen einen Teller mit einem großen Stück Kuchen. „und hier dein Grog.“ Er stellte zwei dampfende Becher und seinen eigenen Teller Kuchen auf den Tisch. „Er ist noch ein bisschen zu heiß um ihn gleich zu trinken. Aber guten Appetit schon mal!“, grinste er und machte sich über den Kuchen her. Gwen lächelte und sagte: „Na, wenn deine Frau ihn gebacken hat, kann er ja nur gut sein.“, führte sich eine Gabel des orangefarbenen Kuchens mit Zuckerguss zu Munde und fragte dann: „Wo ist die Gute eigentlich?“ „ Unten bei den Boleros, du weißt schon, die Schneiderei. Lässt sich dort mit Abby ein paar neue Tricks und Kniffe zeigen, soweit ich das mitbekommen habe.“, antwortete er ihr mit vollem Mund; er hatte schon mehr als die Hälfte seines Kuchenstückes in sich hinein geschlungen. Dann sah er ihr plötzlich forschend in die Augen. „Aber nun rück doch endlich mal raus mit der Sprache, was hast du gemacht? Seit du das erste Mal hier aufgetaucht bist, hast du dich ja nie mehr blicken lassen! Also, wie ist der Stand der Dinge? Und von Anfang bis Ende bitte.“ „ Ich weiß, das war nicht sehr dankbar und es tut mir auch wirklich leid.“ Beschämt schaute sie unter sich und nahm sich ein weiteren Bissen von ihrem Kuchenstück. Der süße Zuckerguss schmolz auf ihrer Zunge und vermischte sich mit dem würzigen Geschmack von Muskat und Piment und einer leichten, zitronigen Säure.
„Ich hatte wirklich eine Menge zu tun. Also. Nach meiner missglückten Beschwerde und dem kleinen „Missgeschick“ beim Bürgeramt, meiner Alkoholvergiftung und darauffolgender Genesung begab ich mich auf deinen Rat hin zum Magierturm...“




Ungefähr vier Wochen zuvor...
Die Tochter der Penzner hatte sich wirklich Mühe gegeben sie wieder aufzupäppeln. Doch an ihren noch nicht abgeklungenen Kopfschmerzen merkte sie, dass Abby eben wirklich erst eine Priesternovizin war. Zerschlagen reflektierte sie einige der nebeligen Erinnerungen vom Vortag. Nachdem sie gestern an der Stadtverwaltung ein gewaltiges Aufsehen durch einen gigantischen Feuerball, der dieser die vordere Wand komplett einriss, erregt hatte, war sie ziellos durch Sturmwind gerast, auf der Flucht vor einer Hand voll wütenden Stadtwachen in angekokelten Rüstungen. Schließlich war sie durch einige enge Gassen auf einen Platz inmitten eines Viertels mit violetten Dächern geraten. Mitten auf dem Platz ragte ein riesiger, kreisrunder Turm in den Himmel. Ohne diesen groß zu beachten, verschwand sie in der ersten Taverne die sie erkennen konnte und ließ sich dort in eine gut vor neugieren Blicken abgeschirmten Ecke nahe des Tresen nieder.
Sie hatte keine Ahnung was passiert war, wusste nicht wie dieser furchtbare Feuerball aus ihren Händen entstehen konnte und irgendwie war es ihr auch eigentlich egal gewesen. Sie wusste nur, dass ihre Vermisstenanzeige im Bürgeramt regelrecht belächelt wurde. Neunzehn Vermisste, davon sieben Kinder und acht Tote die lediglich auf einem Stück Papier notiert und in die beachtlich volle Akte „Kultistenüberfälle“ einsortiert wurden. Sie musste erfahren, dass dies „keineswegs etwas Ungewöhnliches wäre, und es in letzter Zeit immer öfter zu Raubüberfällen der Schattenhammerkultisten, gekommen war, da diese Sklaven brauchten und Kinder nun einmal am besten für die engen Gänge ihrer Elementiummienen geeignet wären“. Völlig fassungslos über die Gleichgültigkeit, über die Nüchternheit mit der diese Worte ausgesprochen wurden und dem mangelndem Respekt gegenüber ihrer Trauer, war sie regelrecht explodiert. Sie fing an zu weinen und zu schreien, die pure Wut packte sie. Noch einmal hatte sie die brennenden Ruinen ihres Hauses, ihre eigenen Schreie hören und den Rauch riechen können. Und plötzlich war er da gewesen, der Feuerball. Flog auf das Gebäude aus massiven Backsteinen zu, aus dem man sie gerade recht unsanft raus befördert hatte. Der Aufprall erfolgte mit einem Funkenschauer und tosendem Lärm, ganze Backsteine und ihre Bruchstücke flogen wie Geschosse umher und kreischende Menschen stoben in alle Richtungen auseinander. Gwen hatte sich flach zu Boden geworfen und ihren Kopf mit den Armen abgeschirmt. Als sie vorsichtig einen Blick zurückwarf, sah sie, dass die Front des Stadtverwaltungsgebäude quasie nicht mehr existent war. Ohne groß nachzudenken rappelte sie sich auf und rannte los, sich in ihrem weiten smaragdgrünen Umhang verhüllend. Einen Augenblick später war sie dann auch schon von den Wachen aus der Straße in der das Rathaus lag auf den großen Kathedralenplatz gejagt worden. Sie konnte die schweren Platten- und Kettenrüstungen hinter sich klirren hören, erschüttert durch eine Vielzahl an muskulösen Körpern die sich berharrlich hinter ihr durch den Regen kämpften. Gehetzt warf sie immer wieder Blicke hinter sich. Mindestens 7 Wachen waren ihr dich auf den Fersen, einige weitere die nach dem Aufprall des Feuerballs länger gebraucht hatten um die Situatuion zu durchblicken liefen in größerer Distanz hinter ihnen her.
Gwen befahl sich noch etwas an Tempo zuzulegen. Sie wusste Rennen, und zwar sehr schnelles Rennen, war ihre einzige Option, denn ohne Plattenrüstung und so maßlos unterlegen war es absolut unmöglich einen Kampf für sich zu entscheiden. Andererseits musste sie nich mehrere Kilogramm Stahl mit sich tragen und war so im Bezug auf Laufgeschwindigkeit, als auch auf Kondition möglicherweise im Vorteil; wenn auch die Wachen der Sturmwind-Armee durch harte körperliche Belastungstest selektiert wurden.

Als sie jedoch den riesigen Kathedralenplatz überquert hatte und sich mehreren Häusern, die durch kleine Gassen stellenweise getrennt waren, sowie einem großen Torbogen der zu den Kanälen führte gegenüber sah, wurde ihr brühwarm bewusst, dass sie sich überhaupt nicht in Sturmwind auskannte. In ihrem gesamten fünfundzwanzigjährigem Leben hatte Gwen vielleicht fünf- bis siebenmal die Hauptstadt des Menschenvolkes besucht, die meisten Male davon in ihrer Kindheit zusammen mit ihrer Oma und anderen Kindern aus dem Dorf.
Sie wusste sicher, dass es vom Elwynnwald aus, wo sie herkam, nur den Eingang durch das Handelsdistrikt gab. Dort war sie am Morgen reingegangen und hatte sich noch einige Kräuter und Reagenzgläser verschiedener Größen zugelegt. Ihr eigentliches Ziel war aber das Bürgeramt im Kathedralenviertel und sie glaubte mit ziemlicher Sicherheit zu wissen, dass sie nur eine Brücke überquert hatte und dann durch einen dieser großen Torbögen auf den sauberen, glatten Pflaster des sehr gepflegten Viertel trat.
Aber dort hin zurückzukehren würde ihr sowieso nichts bringen, der Ausgang war sehr gut bewacht und da das Handelsdistrikt am höchsten frequentiert war, gab es dort folglich auch die höchste Dichte an Wachen. Dort konnte sie nicht raus. Gwens einzige Chance war es, die Verfolger abzuschütteln und sich zu verstecken bis sich die Lage wieder entspannte.
Denn sie wusste, wenn sie jetzt gefasst würde, wären die letzten Reste endgüligt zerschlagen. Mit ihrem Haus war ihr ganzes Vermögen abgebrannt, ein Bußgeld konnte sie also niemals bezahlen und den zerstörten Prachtbau ersetzten ersetzten erstrecht nicht. Außerdem würde sie garantiert als Attentäter verdächtigt werden und deshalb mit Sicherheit zumindest bis weitere Untersuchungen abgeschlossen wurden, in das Verlies gesperrt. Und dann wäre alles vorbei, bis sie wieder ein freier Mensch wäre, wären jegliche Spuren der Kultisten, die ihr Dorf überfallen hatten, für immer verloren.
Gwen musste fliehen, und sie musste gründlich über ihren nächsten Schritt nachdenken. Bei den breiten Durchgangsstraßen an den Kanälen waren sicherlich auch viele Wachen. Die Häuserfront kam immer näher, sie musste sich sofort entscheiden. Ein weiterer hastiger Blick über ihre Schultern verriet ihr, dass ihre Verfolger tatsächlich nicht mit ihr Schritt halten konnte und wenige Meter abgefallen waren. Vor ihr lagen nun links der große Durchgang und zu ihrer rechten öffnete sich eine für das Kathedralenviertel recht enge Gasse in der Häuserfront.
Ohne groß weiter zu überlegen sprintete sie vorbei an zwei großen Häusern mit Mamorsimsen und vergoldeten Eisengittern vor den Fenstern, in den Eingang der engen Straße. Hier konnte eine geringere Schulterbreit auch einen entscheidenden Vorteil darstellen. Das durchgängige Geschrei hinter ihr wurde plötzlich lauter. „He! Das ist die letzte Warnung! Bleiben sie stehen und stellen sie sich, sonst wird ihnen keine Gnade gewährt.“
Gwen zwang abermals ihre Beine nur noch ein wenig schneller zu laufen, die Luft in ihren Lungen fühlte sich an wie ein eisiges Messer und sie merkte ein kleines Stechen unterhalb ihres rechten Rippenbogens. Vor ihr wurde es wieder heller, die Gasse öffnete sich hin zu einer Straße, sie konnte ein helles Glitzern und Schäumen ausmachen...der Kanal! Verdammt, genau da wo sie nicht hinwollte.
Plötzlich durchbrach das schrille Quäken einer Fanfare das Brasseln des Regens. Die Patrouille forderte weiterer Verstärkung an. Die Worte des Anführers wurde in die Tat umgesetzt. Die Jagd hatte begonnen. Wenn sie jetzt auf die Durchgangsstraße trat, wurde sie bestimmt von Wachen umringt und dann war alles vorbei. Sie blieb abrupt stehen und wischte sich eine klebrige, nasse Strähne aus den Augen. Was nun?
Maytharien ist offline  
Alt 26.08.2015, 03:44   #3
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AW: [Story] Feuer

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Wäre sie nicht stehen geblieben hätte sie die noch kleinere und engere Seitengasse, die sich im wenige Schritte vor ihr zu ihrer Rechten öffnete hinter der dicken Regenmauer völlig übersehen. Es waren höchsten eine einderthalbe Armlänge, die zwei Häuserseiten voneinander trennte, für sie gerade breit genug um ohne sich seitwärts zu drehen hindurchzuschlüpfen. Sie musste ihr Tempo wieder ein wenig drosseln, denn nun fehlte fast jeglicher Lichteinfall und sie musste aufpassen, dass sie nicht irgendwo hängenblieb. Da sie nun nicht mehr rannte, konnte sie ihre Umgebung etwas eingehender betrachten. Hier gab es keinen einzigen Hauseingang und nur in den oberen Stockwerken glaubte sie einige Fenster zu erblicken. Die Wände neben ihr schienen immer die selben zu sein und sich nicht so zahlreich abzuwechseln wie in der größeren Gasse zuvor. Es bestätigte ihre Annahme, dass die Wohnhäuser hier zwar sehr schmal gebaut waren, aber sich nach hinten in die Länge zogen. Sie lief an nur zwei Häusern vorbei, die Rücken an Rücken gebaut waren. Der winzige Durchgang den sie gerade nahm, diente nur um Kohlen durch große, in den Boden eingelassene Klappen in die Keller der Häuser zu schaffen. Beinahe wäre sie über einer der vier Klappen in der Gasse gestolpert und hingefallen, konnte sich aber mit beiden Handen an den gegenüberliegenden Hauswänden festhalten.
Wie zur Bestätigung ihrer Gedanken endete der kleine Weg und sie stand wieder auf einer größeren Gasse mit mehrern Hauseingängen zu beiden Seiten. Nach links hin wurde es wieder bedeutend heller, dort ging es also wieder zum Kanal.

Sie war in eine dämliche Falle geraten, die Wachen wussten sicher, dass der für ihre Truppe viel zu enge Weg ins nichts, oder besser gesagt in eine weitere Straße führte,welche wiederrum zu den Kanälen führte. Bald würden die Sturmwind- Wachen sie eingekesselt haben. Gwen hatte keine andere Wahl, denn hier gab es keine Möglichkeit zu entkommen. Sie musste raus aus dem Kathedralenviertel und über die große Durchgangsstraße versuchen in einen anderen Stadtteil zu gelangen. Sie wusste, dass in unmittelbarer Nähe des Kathedralenviertel der große Stadtpark, ein Gebiet das vorallem für die darnassischen Gäste angelegt wurde, lag. Die Nachtelfen, so wie die meisten anderen Völker, pflegten sich aus Konflikten innerhalb einer Rasse rauszuhalten. Bestimmt würde sich niemand dort die Mühe machen sie zu verraten und sich unnötig Ärger in die Idylle zu holen.
Also wandte sie sich nach links und raste die Gasse hinunter auf die breite Straße, die parallel zu den Kanälen durch die ganze Stadt lief. Obwohl der Regen immernoch eine scheinbar undurchdringliche Wand darstellte, raubte ihr die plötzliche Helligkeit für einen Moment die Sicht. Ihre Ohren jedoch funktionierten noch tadellos. Zu ihrer linken durchdrang das Klirren von Stahl und Ereiferungsrufe das laute Brasseln. Eine weitere Patrouille war ihr auf den Fersen. Ihr Herz begann nun so zu rasen, dass sie fürchtete es würde ich aus der Brust springen. Zurück konnte sie nicht und nach rechts ging es runter zum Hafen, dort gab es nur noch mehr Wachen und bei diesem Wetter sicherlich kein Schiff, dass gerade zufällig genau mit ihrer Ankunft ablegen würde. Ihre einzige Chance war eine Brücke die sie zum gegenüberliegenden Stadteil, welcher hoffentlich der Park war, bringen würde. Aber dieses Risiko wollte sie nicht eingehen, genau so gut konnte auch keine Brücke kommen, oder die Wachen sie einholen oder sie könnte sogar einer weiteren Patrouille in die Arme laufen.

Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Mit einer Plattenrüstung ließ es sich schon schlecht laufen, aber schwimmen? Sie machte einige Schritte an den Rand des Kanals. Das Wasser schäumte und wogte, der heftige Regen hatten den Wasserpegel beachtlich ansteigen lassen und verursachte so eine kleine Strömung. Nicht ungefährlich, da der Kanal am Hafen in einem Wasserfall der ins Meer lief endete, aber es war ihre einzige Chance.
Gwen machte einen weiteren Schritt in Richtung des leicht erhöhten Gewegrandes. Unter ihr hörte sie das Wasser tosen und sprudeln, sich winden unter der unbarmherzigen Kraft der stetig prasselnden Regentropfen.



„Wenn du jetzt springst, dann wirst du sterben!“. Sie konnte die von einer ihr fremden Stimme gesprochenen Worte trotz des rauschenden Stroms unter ihr mehr als deutlich hören. Es klang als würde sie nur selten so laut sprechen, umso mehr verlieh sie dem Ausgesprochenen den Hauch einer letzten Warnung.
Gwen hatte sich in einen schönen Schlamassel gebracht, hing sie doch wie ein nasser Sack an einer Wäscheleine, die aber leider in ihrem konkreten Fall eine Metapher für einen morschen, sehr alten Ast darstellte.
Aber so kurz vor ihrem Ziel aufgeben? Sie blickte unter sich, das Wasser waberte eifrig flußabwärts, fröhlich gluckernd, als würde es nur warten sie mit seinen nassen Armen zu empfangen. Sie warf abermals einen Blick nach oben, um den Besitzer der unbekannten männlichen Stimme auszumachen. Der Fremde schien näher gekommen zu sein, denn sie konnte endlich mehr als nur seine Schemen ausmachen. Er war kaum älter als sie, vielleicht 18 oder 19 Jahre alt und recht hoch gewachsen und schmal. Sein Gesicht konnte sie nicht wirklich erkennen, es schien sehr hübsch, aber nicht unbedingt freundlich, eher verschlossen. Und auch wenn sie nicht viel davon begutachten konnte, glaubte sie ein unterdrücktes, belustigtes Lächeln seine sonst wohl eher unbeweglichen Mundwinkel zum Zucken zu bringen.
Da sie ihren Kopf nicht viel länger in den Nacken legen konnte, richtete sie ihre Augen wieder auf das silbrig-grüne Schimmern ihres Ziels, das nur wenige Meter vor ihr zwischen Ufer und den kleinen Ausläufern der Schlucht, wenn man sie denn so nennen wollte, lag. Ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer vor Verlangen. Nein, ans Aufgeben war nun wirklich nicht zu denken.

„Ich war schon immer eine ausgezeichnete Schwimmerin.“, entgegnete sie weniger selbstsicher, als sie es eigentlich geplant hatte. Das leichte Zittern in ihrer Stimme machte ihr einen Strich durch die Rechnung. „Wenn du loslässt, WARST du eine ausgezeichnete Schwimmerin. Gib mir eine Hand ich zieh' dich wieder hoch.“ Aus den Augenwinkel konnte sie erkennen, dass der Fremde nun am Hang der Schlucht neben dem dicken Ast stand, an dem sie so kläglich baumelte, und Anstalten machte sich zu ihr hinunter zu beugen. „Nein!“, rief Gwen schon viel bestimmter. „Siehst du diese Pflanze da unten auf der linken Uferseite? Du scheinst ja keine Ahnung von Kräuterkunde zu haben, aber lass dir gesagt sein, ein Bergsilbersalbei im Wald von Elwynn ist seltener als ein betender Untoter. Wenn ich davon Ableger züchten kann, werde ich reich! Aus Bergsilbersalbei lässt sich einer der mächtigsten bekannten Heiltränke brauen! Es kommen nur sehr selten Händler hier runter, die diesen Salbei verkaufen, deshalb MUSS ich ihn sammeln gehen. Darum werde ich jetzt loslassen und bis an dieses verdammte Ufer schwimmen.“ Ihr Entschluss stand fest, und zu ihrer eigenen Bestätigung nickte sie noch einmal beflissen. Jetzt war es soweit, sie musste loslassen. Einfach nur loslassen. Sie schloss die Augen und atmete tief ein. Loslassen. Ihre Finger wollten sich einfach nicht öffnen.

„Aaah, darum geht’s, ums Gold. Natürlich, was ist auch anderes von einem Städter zu erwarten... nur ihr seid so verrückt, euch von eurer Gier ins Verderben stürzen zu lassen. Aber wenigstens von Pflanzen scheinst zu Ahnung zu haben.“ Gwen öffnete wieder ihre Augen und blickte nach oben. Diese Aussage hatte sie stutzig gemacht und sie schaute sich den Unbekannten genauer an. Er trug eine sehr schlichte und abgenutze Lederrüstung, seine Stiefel sahen aus als hätten sie schon einige Meilen zurückgelegt und obwohl seine Haare nur bis über die Ohren gingen, strahlte er etwas sehr wildes aus...“Du bist einer von den Waldläufern! Jetzt wird mir klar, warum du mir unbedingt ' mein Leben RETTEN willst'. Um mich anschließend auszurauben und wer weiß was sonst noch anzustellen. Vergiss es!“, fauchte Gwen ihn mit einem wütenden Gesichtsausdruck an.
Sein spöttisch und recht überheblich gewordenes Grinsen verwandelte sich nun in ernsthaft überraschtes Gelächter. „Ja, das sind die Geschichten die sich in den Dörfern und Städtern erzählen, nicht wahr? Aber he, selbst wenn du so einfältig bist, das zu glauben, kannst du trotzdem nicht so dämlich sein und den Wasserfall auf dem Weg hier hoch übersehen haben. Und lass dir von einem ortskundigem und gar schreeecklichem Waldläufer sagen: Weiter oben ist noch einer, und davor drei weitere, Der Elwynnfluss wird von einer großen Quelle im Grenzgebirge zur brennenden Steppe genährt und fließt in einem fünfstufigen Wasserfall die Berge hinunter. Vielleicht kannst sogar du dir ausmahlen, was für einen gigantischen Druck diese Wassermassen innehaben. Und jetzt sei nicht noch dümmer, als du schon warst und lass dich von mir hochziehen. Ich versprech' dir auch dich nicht auszurauben, ich brauche im Gegensatz zu dir nämlich kein Geld zum Überleben.“
Sein wirklich hübsches Gesicht, schien plötzlich garnicht mehr so arrogant und belustigt, sondern tatsächlich etwas säuerlich. Trotzdem hielt er ihr nach wie vor seine in Lederfäustlinge gehüllte, offene Hand hin.

Gwen war hin und hergerissen. Einerseits wollte sie den Bergsilbersalbei unbedingt haben, aber andererseits konnte sie sich erinnern, etwas von einem Wasserfall in Sachen Ortskunde schon gehört zu haben. Jetzt schämte sie sich, so dumm gewesen zu sein. Der Fremde hatte Recht, sie war wirklich einfach nur blöd gewesen. Jetzt war sie sich nicht mehr sicher ob sie lieber vor Scham sterben wollte und von den Wassermassen überrollt und verschlungen zu werden, ober sich lieber entschuldigen sollte und dann hoffen, diesem Kerl nie wieder über den Weg zu laufen, aber dafür noch ein wenig weiterzuleben. Die Entscheidung war nicht wirklich schwer. Sie nahm all ihren Mut zusammen und ließ eine Hand los und streckte sie blitzschnell nach oben, wo sie so gleich von der seinen in festen Empfang genommen worden. Mit einer für seinen recht schmalen Körperbau erstaunlicher Kraft zog er sie ein ganzes Stück nach oben, so dass sie sich mit ihrer linken, am Ast geklammerten Hand nach oben drücken konnte. Mit vereinten Kräften schafften sie es Gwen sicher auf das weiche Gras der Bergausläufern zu bringen. Sogleich warf Gwenaelle einen Blick hinunter in die Schlucht. Nach wie vor ließ sich nirgends ein Weg oder auch nur eine Möglichkeit nach unten zu gelangen erblicken. Zwischen ihr und dem Bergsilbersalbei lagen nach wie vor gut 4 Meter unüberwindbare Höhe. Sie seufzte, stand auf und klopfte sich Gras und Erde von ihrer waldgrünen Tunika. Ihre hellbraune Lederhose würde sie wohl waschen müssen.
Es war unausweichlich, sie würde ihm nun ins Gesicht schauen müssen, und sich entschuldigen, für ihre Blödheit und auch für ihre unverschämte Unterstellung. Auch wenn er ebenfalls nicht gerade zimperlich in seiner Wortwahl gewesen war, er hatte eben Recht gehabt.
Gwen hörte auf an ihrer engen Lederhose rumzureiben und blickte auf. Der Fremde stand vor ihr und schaute sie wieder arrogant lächelnd, aber auch etwas neugierig an. Erst jetzt konnte sie ihn genauer betrachten und der Umstand wie gut er wirklich aussah, machte die Situation nicht weniger peinlich für sie.


Sein goldenes Haar war oben etwas länger und fiel ihm in leichten Strähnen in die Stirn und die schönen dunkelgrün funkelnden Augen, untendrunter war es um einige Nuancen dunkler und im Nacken sowie hinter den Ohren recht kurz geschoren. Seine Nase war perfekt gerade und weder zu schmal noch zu breit. Sein Mund mit den leicht geschwungenen Lippen vollendete den Eindruck der Makellosigkeit gebührend und Gwen rutschte das Herz in die Hose. Er überragte sie um einen Kopf, also musste sie trotz ihrer 170cm Körpergröße zu ihm hochschauen und sein stetiges, arrogantes Grinsen ertragen. Wie gerne würde sie es ihm von seinem perfekten Gesicht wischen.
„Ich muss mich wirklich bei dir entschuldigen, ich habe dir Unrecht getan. Ohne dich würde ich wahrscheinlich schon blau angelaufen an irgendeinem Felsen kleben. Ich stehe wirklich in deiner Schuld...mein Name ist Gwen und ich danke dir wirklich von ganzem Herzen. Was ich über euch Waldläufer sagte, nehme ich zurück. Das sind tatsächlich blöde Gerüchte vom Dorf-“ „Damon.“, unterbrach er sie nun breiter grinsend und reichte ihr die Hand. „Lass gut sein und komm. Wie holen uns jetzt dein Unkraut.“, bestimmt zog er sie einige Meter mit sich und ließ dann los. Ein kleiner Stich der Enttäuschung pickste sie in die Eingeweide. Sofort wischte sie, sich über sich selbst ärgernd, jegliche Gedanken in diese Richtung weg.

„Wie meinst du das?“, fragte sie erstaunt. Sie gingen zügig flußaufwärts Richtung Norden, an vereinzelten Kiefern und Zedern vorbei, die einzigen Bäume die in dieser Höhe noch ab und an zu sehen waren. „Wie sollen wir denn da runterkommen, es gibt keinen Weg. Oder doch?“ „Ich muss ja wirklich sagen, ich hab' deinen Ehrgeiz bewundert, als du da von diesem morschen Ast gebaumelt bist.“ Damon drehte sich kurz zu ihr um, nur um ihr abermals sein arrogantes Grinsen zu zeigen. Ihr wurde kurz übel vor lauter Schamgefühlen. Er fuhr fort: „Aber wärst du bloß circa 250 Meter weiter hoch gelaufen, hättest du das hier gefunden.“ Abrupt blieb er stehen, und zeigte nach vorne. Gwen hatte nur kurz Zeit ihn für sein gutes Abstandsempfinden, welches einen Waldläufer wohl auszeichnete zu bewundern, ehe sie die kleine Brücke erblickte. Die wirkliche Überraschung war aber die scheinbar provisorische, Treppe die man kaum so nenen konnte, die in die immer tiefer gewordene Schlucht führte. Eigentlich waren es nur alte Holzlatten, die die unebenen, aus Erde zurechtgeschobenen Stufen stützen.

Gwen konnte nichts mehr sagen und grinste Damon nur freudenstrahlend und mit großen, tiefschwarzen Augen an. Gönnerisch winkte er ab. „Ich war ja auch nicht so nett zu dir, wie es sich gehört, oder?“, meinte er, während sie die Brücke überquerten. „Wenn dir der Salbei so wichtig ist, dann helf ich dir eben. Und jetzt komm und sei vorsichtig.“ Mit festem Schritt ging er vorraus die steile Treppe hinunter. Die Luftfeuchtigkeit über dem Fluss hatte die erdigen Stufen rutschig gemacht, und Gwen musste aufpassen, dass sie mit ihren dünnen Lederstiefeln nicht ausrutschte. Sie passten zwar farblich zu ihrer Tunika, aber für solche Abstiefe waren sie wahrlich nicht gefertig. Aus den Augenwinkeln konnte sie sehen, dass Damon immer wieder einen Blick zu ihr nach oben warf, anscheinend um sicher zu gehen, dass die es alleine schaffte.
Sicher landeten beide auf dem feuchten, steinigen Uferboden und gingen wieder flußabwärts. Sie mussten ihr Tempo nun beachtlich drosseln um nicht auszurutschen und doch noch von der nun viel bedrohlich klingenden Wassergewalt verschlungen zu werden.

Endlich blieb er stehen. „Da.“ Mit einem zufriedenem Gesichtsausdruck wollte Damon sich schon
zu der Pflanze mit den silbrig schimmernden Blüten hinunterbeugen und die Hand danach ausstrecken, als Gwen ihn grob an der Schulter packte. „Nein, nein! So eine junge Pflanze kannst du nicht einfach ausrupfen, die Wurzeln sind noch ganz zart. Lass mich mal da hin.“ Da das Ufer nur sehr schmal war, musste sie sich vorsichtig an ihm vorbeischieben und sein Duft wehte ihr in die schmale Nase. Er roch so fantastisch wie er aussah, nach Moos und Holz und nach...Damon. Eilig beugte sie sich zu dem Bergsilbersalbei hinunter und löste ein kleines Messer von ihrem Ledergürtel. Behutsam schnitt sie das Kraut in Kräuterkundlermanier mit viel Erde um die Wurzel aus der Erde, wie es ihr ihre Mutter gezeigt worden war. „Ehm...kannst du mir die linke, braune Ledertasche vom Gürtel lösen und aufhalten bitte?“ Fragend schaute sie ihn über die Schulter an. Er zog eine Augenbraue hoch und brummte, anscheindend zur Bestätigung. Sie spürte seine Finger ab und an ihre Hüfte berühren, als er fahrig an dem Verschluss der Ledertasche rumnestelte, und etwas länger als scheinbar beabsichtigt dafür brauchte. An ihrer linken Seite vorbei hielt er Gwen nun die gelöste Kräutertasche offen hin und sie verstaute vorsichtig, aber so schnell wie möglich ihre neue Pflanze.

Damon begleitete sie den ganzen Weg zurück bis nach Nordhain, er bestand darauf um sicherzugehen, dass „eine unerfahrene Städterin wie sie nicht noch von einem Murloc aufgespießt wurde“. Die ganze Zeit über musste sie sein überhebliches Grinsen ertragen, während sie ein wenig von ihrem Heimatdorf und seinen Bewohnern erzählte. Er verabschiedete sich ungefähr fünf Minuten vor Erreichen von Nordhain von ihr, da Waldläufer anscheinend nicht so gerne in der Zivilisation gesehen wurden. Gwen dachte an die Geschichten, die sie selbst von ihrer Großmutter gehört hatte und konnte ihm nicht widersprechen. Und obwohl er das abermals mit seinem überheblichen Grinsen akkreditierte, dachte sie, dass die Erzählungen ausgemachter Blödsinn sein mussten.
Als er schon lange in den Schatten des Mischwaldes von Elwynn verschwunden war, und sie liebevoll ihren Bergsilbersalbei in sein neues Zuhause, einen geräumigen Tontopf einbettete, wünschte sie sich, sein überhebliches Grinsen noch einmal zu sehen.



Das eiskalte Wasser umschloss ihren schlanken, leichten Körper mit seinen zarten Berührungen und hielt sie doch so fest in seiner Umarmung, dass sie es nicht schaffte sich zu lösen und seine Oberfläche zu durchstoßen. Noch unerbittlicher als das kalte Nass drangen diese wunderschönen Erinnerungen in sie ein und machten sie noch schwerer. Was, wenn sie dem Wasser dieses Mal einfach nachgeben würde? Es würde ihr alle ihre Schmerzen nehmen, sie von ihrer Trauer reinwaschen, die Gedanken hinfortspülen...sie schloss die Augen und dachte an nichts mehr. Plötzlich riss etwas an ihr, als würde sie ein unsichtbarer Haken in ihr Herz bohren und sie daran nach vorne reißen. So schnell das unangenehme Gefühl gekommen war, so schnell war es auch wieder verschwunden und plötzlich kamen neue Empfindungen hinzu. Kühle, herrliche Luft füllte ihre Lungen und schwere Tropfen prasselten auf ihr Nasses Haar. Sie befand sich über der Wasseroberfläche und hatte keinen blassen Schimmer wie sie dort hin geraten war. Die Strömung zerrte an ihr und drückte sie nach links. Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen und sie war wieder ganz im hier und jetzt.

Der Wasserfall. Die Wachen. Gehetzt warf sie einen Blick über die Schultern und konnte circa ein dutzend verwirrter Soldaten am Rande des Kanal stehen sehen, einer von ihnen hatte sie entdeckt und zeigte aufgeregt auf sie. Einige seiner Kollegen schienen Anstalten zu machen, ebenfalls ins Wasser zu springen, aber ihr Kommandant schrie sie unwirsch an. Gwen konnte unter dem Tosen des Wassers und dem Brasseln des Regens kein Wort verstehen, aber sie sah die Gesten. Der Kommandant teilte die Truppe und schickte sie in beide Richtungen.
Nun musste sie wieder all ihre Sinne und vor allem ihre Kräfte beisammen haben. Beherzt machte Gwen eine kräftige Züge durch den reißenden Strom, immer wieder nach links abdriftend, aber nie ihr Ziel aus den Augen verlierend. Vor ihr sah sie den Rand der Kanals und die Straße, hinter der angrenzenden Mauer erhoben sich majestätisch violette Dächer. Dies musste der Park der Kal'Dorei, der Nachtelfen sein.

Sie war nun nur noch wenige Meter entfernt von der Mauer und plötzlich sah sie einen kleinen Steg kurz vor ihr, von dem eine kleine Mauer auf die Straße hochführte. Mit ihrer letzten Kraft vollendete sie die letzten Züge, bis sie sich an dem hölzernen Steg festhalten und ihn erklimmen konnte. Ihre Beine zitterten, es fühlte sich an als würden ihre Oberschenkelmuskeln in Flammen stehen. Aber eine Pause konnte sie sich nicht leisten. Bald würde von allen Richtungen Wachen mit riesigen Schwerten und erhitzten Gemütern auf sie zurasen. Niemand mochte gerne jemanden bei solch einem Wetter verfolgen. Also rannte sie die Treppe hoch auf die breite Straße. Zu ihrer linken, hinter einen kleinen Biegung öffnete sich ein gigantischer Durchgang. Das Glück war ihr endlich mal wieder hold. Gwen nahm die Beine in die Hand und rannte los. Als sie das Eingangstor durchquerte, verrieten ihr dicke violette Banner mit einem aufgestickten Buch, dass sie sich geirrt hatte. Dies war nicht der Park, sondern das Magierviertel. Auch wenn die Anhänger der Arkanen ebenfalls eher eigensinnig und lieber für sich waren, so waren es doch auch Menschen. Menschen die Ruhe und Harmonie in ihrer Stadt wollten und vorallem keinen Ärger dessen Ursache offensichtlich Magie war.

Gwen fühlte sich zwar unwohl bei dem Gedanken sich hierher zu flüchten, aber es war ihre einzige Chance. Hinter dem Durchgang bog sie nach links ab und rannte einen mit Gras bewachsenen Weg hoch, auf dem sie immer wieder abrutschte. Plötzlich öffnete sich der Weg zu einem kreisrundem Platz in dessen Mitte ein gigantischer Turm thronte. Der sagenumwobene Magierturm, Herberge des Wissens und der Macht. Gerne hätte sie sich hier einmal näher umgeschaut, aber dies nun wirklich nicht der passende Moment war, ließ sie den Turm links liegen und raste auf die Häuserwand zu. Hinter ihr konnte sie laute Rufe hören und lauter werdendes Rüstungsklappern. Durch die Regenmauer konnte sie gerade so ein großes Schild etwas vor ihr ausmachen. „Zum blauen Eremiten“. Ohne weiter nachzudenken jagte sie die Treppenstufen hoch und öffnete die gewaltige, massive Eichentür.
Maytharien ist offline  
Alt 26.08.2015, 18:35   #4
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AW: [Story] Feuer

Der Film ihrer abenteuerlichen Verfolgung riss vor ihrem inneren Auge ab und hinterließ sie mit einem hastig klopfendem Herzen. Erst jetzt, nachdem sie eine Nacht, in der die Mengen an Adrenalin in ihrem Körper durch Alkohol kompensiert wurden, darüber geschlafen hatte, war ihr bewusst geworden, wie knapp die gestern davon gekommen war.
Aber was war weiter passiert? Im blauen Eremiten war sie auf Gustaf Penzner getroffen, der sie vor einer Patrouille die auf der Suche nach ihr waren beschützte. Im Gegenzug für seine Barmherzigkeit verlangte er von ihr nur die Wahrheit. Es war als hätte er geradewegs in ihr Herz geschaut und die Schatten die sich dort eingenistet hatten erblickt...



Gwen's Augen klebten angsterfüllt an den Bewegungen des dickbäuchigen Wirtes. Er bediente einen Zapfhahn an einem gigantischen Fass und füllte einen hölzernen Krug. Dann drehte er sich zu ihr um und winkte sie an den Tresen. Zaghaft schaute sie sich abermals um. Das Tavernentreiben war weiterhin rege in Gange, noch immer nahm keiner Notiz von ihr und dem Wirt. Würde er seine Drohung wahr machen, und die Wachen rufen, wenn sie ihm nicht die Wahrheit erzählte? Was hielt er überhaupt für die Wahrheit? Das Schlimmste was er von ihr erfahren konnte, wusste er bereits, nämlich dass ihr anscheinend die gesamte Sturmwindarmee auf den Fersen war. Zögerlich erhob sie sich und ging zu der langen, hölzernen Theke und nahm auf einem der dazu passenden Barstühlen Platz. „Ich weiß nicht was ihr von mir hören wollt, anscheinend wisst ihr schon mehr als genug Bescheid. Ich werde gesucht, was ihr eben vereitelt habt. Vielleicht solltet eher IHR mir erklären, was euer Handeln zu bedeuten hat.“ Gwen versuchte ihrer Stimme einen selbstsicheren Ton zu verleihen, und um ihre Entschlossenheit zu unterstreichen, regte sie ein wenig das Kinn und setzte einen Blick auf, von dem sie hoffte, dass er wenigstens etwas herausfordernd aussah.
„Ich bin schon seit 17 Jahren Wirt und erkenne traurige Seelen, aber auch hinterlistige Tunichtgute, wenn ich welche sehe. Aber ein so unglückliches, verzweifeltes Gesicht wie das eure habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Ihr macht wahrlich nicht den Eindruck, als wärt ihr ein Auftragskiller der Horde.“, meinte er mit einem wieder freundlichen Grinsen auf dem Gesicht. Er griff sich ein benutztes Glas und fing an es mit einem grauen Lappen zu putzen. „Manche Menschen muss man eben zu ihrem Glück zwingen, und oft reicht es schon, wenn man sich nur ihre Geschichten, die sie so bedrücken, anhört.“, fuhr er fort. „Also lasst mich euch helfen und euch einige Last von deinen Schultern nehmen. Glaubt mir, ein Gasthausbesitzer ist immer ein guter Zuhörer.“, gerade als er ihr zuzwinkerte, konnte man die massive Eingangstür abermals mit einem lauten Krachen ins Schloss donnern hören.

Ein schlacksiger, hagerer junger Mann taumelte hastig aus der Vorraum herein. Wasser lief seine hohe, picklige Stirn herunter, und tropfte von seiner Hakennase auf den bunten Teppich. Auch sein langer, hellgrauer Umhang, der ihn neben seiner käsigen Hautfarbe noch mehr wie einen Geist aussehen ließ, war vollkommen durchnässt. „ Ihr glaubt nicht, was vorhin passiert ist!“, er trat mitten in den Schankraum und wedelte zappelig mit seinen langen Armen, wobei er den Raum und einige seiner Gäste mit Regenwasser bespränkelte. „Das glaubt ihr einfach nicht, denn es ist UN-GLAUBLICH!“ Verärgert riss ihn ein ungefähr gleichaltriger Mann an seinem abgetragenen Mantel und bugsierte ihn so auf einen freien Stuhl an den Tisch, an dem bis vor wenigen Sekunden noch über Lernstoff diskutiert worden.
Alle Gäste des Eremiten starrten erwartungsvoll den Neuankömmling an, einige mit skeptischen oder spöttischen Gesichtsausdrücken. Eilig packte eine der Magiestudentinnen ein dickes Buch in ihre Tasche, da dieses auch drohte von dem eigenen kleinen Tavernenregen, der sich mit dem jungen Mann eingefunden hatte, durchnässt zu werden. „Setzt dich erstmal hin und hör auf zu zappeln, Tommy.“ meinte sein Kollege mit Nachdruck. „Und dann von vorne und langsam. Was ist passiert?“ Tommy strich sich über sein raspelkurzes Haar und verteilte so auch die wenigen Tropfen, die sich darin verfangen hatten, über den Tisch und holte dann tief Luft, das ärgerliche Zischen seiner Freunde ignorierend. „Das Rathaus wurde attackiert! Ein einziges kleines Mädchen hat mit nur einem, gigantisches Feuerblitz das Rathaus ruiniert. Die ganze Front ist futsch, es gab 8 Verletzte! Mit nur einem Feuerblitz, von einem KLEINEN MÄDCHEN! Die ganze Silberhand sucht nach ihr und haltet euch fest, sie soll hier im Magierviertel gesichtet worden sein!!!“, Tommy, der mit jedem Satz lauter und nachdrücklicher geworden war, schrie nun fast und zu den Regentropfen, die von seinem unruhigen Körper verteilt wurden, gesellten sich nun etwas Speichel.

Gwen, die das Treiben gebannt beobachtet hatte, drehte sich nun ruckartig wieder zu dem Wirt um und senkte ihren Kopf. Auch wenn das Detail mit dem kleinen Mädchen nicht stimmt, konnte sie nicht sicher sein, dass nicht doch jemand Verdacht schöpfte. Den Gesichtern seiner Freunde nach zu urteilen, besah der junge Mann seine Erzählungen öfter mit einer kleinen Steuer.
„Ja sicher Tommy, ein kleines Mädchen sprengt mit einem Feuerblitz ein ganzes Haus. Hast wohl wieder was von Hank's Wunderwasser probiert? Ich hab' dir doch gesagt, davon wirst du auch kein besserer Magier!“, höhnte einer der Studenten und die anderen stimmten in sein Gelächter mit ein.
Auch andere Gäste wandten sich jetzt wieder feixend ab.
„Ach halt doch deine Klappe! Ich schwöre, es stimmt. Bin auf dem Weg hierher von einer Wache angehalten und befragt worden, sie durchsuchen hier jedes Gebäude!“, versicherte ihnen Tommy. Er senkte nun seine Stimme und beugte sich verschwörerisch zu seinen Kommilitonen. Tuschelnd fing er wahrscheinlich an zu spekulieren.

Zufrieden zwinkerte der Gastwirt Gwen ein weiteres Mal zu. „Aha, immerhin ein Teil der Geschichte. Sieht so aus, als könntet ihr euch für die nächsten paar Stunden eh nicht auf die Straße wagen. Also was ist? Verbringt ihr eure Zeit hier sinnvoll und erzählt mir nun, was los ist?“
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